Mehr Mitspracherecht für Menschen mit Behinderung in Überwachungsverfahren

Menschen diskutieren Neues Fenster: Bild - aktuell_Auw_2016 - vergrößern © LASV

Die Aufsicht für unterstützende Wohnformen beim LASV (ehemals Heimaufsicht) kontrolliert alle Betreuungseinrichtungen für erwachsene Menschen mit Behinderungen im Land Brandenburg. Grundlage dafür ist das Überwachungskonzept. Dieses wird aktuell sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Prüfmethoden überarbeitet. Ziel ist es, die Prüf- und Beratungstätigkeit dichter und konsequenter an der Lebenswirklichkeit der Menschen, die in den Wohnstätten leben, auszurichten. Damit wird ein zentraler Gedanke der UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt: es soll nicht länger für die betroffenen Menschen gedacht und gehandelt werden, sondern mit ihnen. Dabei wird der teilnehmenden Beobachtung und den Gesprächen mit Bewohnerinnen und Bewohnern eine noch größere Bedeutung zukommen. Künftig werden die Perspektiven der Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch von Beschäftigten, Angehörigen und anderen Kontaktpersonen explizit in die Prüfverfahren der Aufsicht einfließen. Das setzt voraus, dass die unterschiedlichen Wahrnehmungen zur Lebensqualität verstanden und zuverlässig erfasst werden.

Einen ersten Test für diesen neuen Ansatz galt es im Rahmen eines Workshops zu bestehen: Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde haben am 26.02.2016 in Potsdam mit Bewohnerinnen und Bewohnern von Einrichtungen der Behindertenhilfe aus allen Teilen des Landes Brandenburg diskutiert. Dabei ging es konkret um die Einbeziehung der Bewohnerinnen und Bewohner selbst in die Prüfverfahren. Wie das zu machen wäre, haben die Frauen und Männer mit geistigen und/oder psychischen Behinderungen auf Augenhöhe mit den Verwaltungsangestellten geprobt, haben abgestimmt und gestritten.

im Workshop © LASV

Die in sechs gemischten Arbeitsgruppen geführten Gespräche waren von der Frage geleitet „Was können wir als Aufsicht prüfen, damit Sie sich in ihrer Einrichtung wohlfühlen? Was würden Sie fragen, wenn Sie die Aufsichtsbehörde wären?“.

Im Auswertungsgespräch stellte sich heraus, dass für die Mehrzahl der Teilnehmenden Selbstbestimmung, ein eigenes Zimmer, Mitspracherecht und ein freundlicher Umgang in der Einrichtung besonders wichtig sind. Weitere Schwerpunkte waren das Führen von Bewohnergesprächen in der Einrichtung und der Wunsch nach Teilnahme an den Überwachungen durch die Prüfbehörde, wie beispielsweise beim Hausrundgang und beim Auswertungsgespräch.

im Workshop © LASV

Das LASV wertet die Ergebnisse des Workshops und weiterer schriftlicher Befragungen von Einrichtungen und Betreuungsvereinen nun aus. Die Ergebnisse werden in das Prüfkonzept der Aufsicht einfließen. Bevor das neue Prüfverfahren zur Anwendung kommt, soll es der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Weiterführende Info: In Brandenburg leben derzeit circa 35.000 Menschen in 1.137 Wohnformen der Eingliederungshilfe und der Pflege. Davon leben knapp 9.000 Menschen mit geistiger und/oder psychischer Behinderung in 530 Wohnformen der Eingliederungshilfe. Das LASV - Aufsicht für unterstützende Wohnformen ist die zuständige Aufsichtsbehörde, die von den Standorten Potsdam, Frankfurt Oder und Cottbus aus die Überprüfung und Beratung der Einrichtungen durchführt. Die Ergebnisse der Prüfungen werden regelmäßig in einem Tätigkeitsbericht, letztmalig für den Zeitraum 2013/14 veröffentlicht und können auf unserer Homepage nachgelesen werden.

Unterlagen zum Workshop

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Kontakt