„Betreuung trifft Krankenhaus“

interessierte Zuhörer beim Fachforum Neues Fenster: Bild - aktuell_betreuung trifft krankenhaus - vergrößern © LASV

war das Thema des jüngsten Fachforums der überörtlichen Betreuungsbehörde, dass in Zusammenarbeit mit Jürgen Dusel, dem Beauftragten der Landesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderung und der Evangelischen Akademie zu Berlin am 28. Februar 2018 in der Evangelischen Bildungsstätte auf Schwanenwerder stattfand.

Die Intention des Betreuungsrechts ist es, die Selbstbestimmung und Selbstständigkeit von Menschen mit Unterstützungsbedarf zu wahren. Das Selbstbestimmungsrecht hilfebedürftiger Erwachsener zu stärken und bei der Ausübung der Rechts- und Handlungsfähigkeit zu unterstützen, ist ein wichtiger Aspekt für die gesamte Gesellschaft bei der Gestaltung und Anwendung dieser Rechte.

Das Fachforum widmete sich in diesem Jahr der Wahrung der Interessen von Menschen mit Behinderungen im Krankenhaus- und Pflegealltag. Im Mittelpunkt standen dabei ethische Fragen in der rechtlichen Betreuung sowie die Rolle und Einbindung von Betreuten und Betreuern in Informations-, Aufklärungs- und Entscheidungsprozesse in Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Mitarbeitende aus Gesundheitseinrichtungen sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Medizinethik erhielten die Gelegenheit mit Akteurinnen und Akteuren aus dem Betreuungswesen ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden Möglichkeiten ausgelotet, wie durch gegenseitige Wissensvermittlung und Verständnis für die Situation des Gegenübers gemeinsam im Interesse der Betroffenen und zu deren Wohl gehandelt werden kann. Durch das Programm führte Marina Ringel, Pressesprecherin des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg.

Teilnehmer im Fachgespräch © LASV

Zum Auftakt der Veranstaltung gab es ein Podiumsgespräch zu den vorhandenen Problemen innerhalb des klinischen Alltags, das von Simone Ehm, Studienleiterin Ethik in den Naturwissenschaften an der Evangelischen Akademie zu Berlin, moderiert wurde.

Teilnehmer des Fachgespräches waren:

  • Dr. Susanne Knoll, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Evangelischen. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge Berlin und Sana Klinikum Lichtenberg,
  • Dr. med. Christian Kieser, Chefarzt, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Ernst von Bergmann Klinikum Potsdam,
  • Gerrit Fuhs, Mitglied in der Besuchskommission Cottbus und Mitglied von bipolaris e.V.,
  • Dorothee Sperber, Kursleiterin Palliative & Dementia Care in Berlin
  • Rechtsanwältin Uta Hesse, Fachanwältin für Medizinrecht von der Kanzlei Kutscher in Halle (Saale).

Als Schwerpunkte wurden Kommunikationsprobleme zwischen den rechtlichen Betreuerinnen und Betreuern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Kliniken und Pflegeeinrichtungen, insbesondere hinsichtlich der Zuständigkeiten bei Aufklärungs-, Behandlungsentscheidungen und Haftungsfragen, sowie zum Teil mangelnde Kenntnisse des Klinik- und Pflegepersonals zu betreuungsrechtlichen Grundlagen benannt.

Im Klinikalltag bereitet oftmals die Feststellung der Einwilligungsfähigkeit von Patientinnen und Patienten Probleme, insbesondere wenn diese krankheitsbedingt tagesformabhängig ist. Die Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten muss dennoch stärker berücksichtigt werden. Zur Ermittlung des Patientenwillens sollten bestehende Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen herangezogen sowie Behandlungsvereinbarungen abgeschlossen werden. Im Interesse der Betroffenen ist die Einbeziehung der Betreuerinnen und Betreuer in ethischen Fallkonferenzen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen erforderlich.

Die Teilnehmer des Fachgespräches waren sich einig, dass bundeseinheitliche Regelungen zum Qualitätsmanagement in Kliniken notwendig sind.

Im Anschluss an das Fachgespräch referierte Dr. Michael Wunder vom Beratungszentrum Alsterdorf in Hamburg zu „Ethischen Konflikten der gesetzlichen Betreuung im Krankenhaus“.

In seinem Vortrag schilderte er unter Berücksichtigung der rechtsethischen Grundlagen, welche hohen Anforderungen an die Sozial- und Kommunikationskompetenz der Betreuerinnen und Betreuer und des medizinischen Personals gestellt werden, um Patienten mit schweren Erkrankungen und eingeschränkter oder nicht mehr vorhandener Willensäußerung soweit wie möglich in Behandlungsentscheidungen einzubeziehen. Er erläuterte, welche Möglichkeiten der Kommunikation bestehen, um den mutmaßlichen Willen des Betroffenen zu ermitteln. Im Weiteren wurden die gesetzlichen Regelungen zu vorsorgenden Verfügungen angesprochen und daraus Schlussfolgerungen für die praktische Anwendung gezogen. Abschließend setzte sich Dr. Wunder in seinem Referat mit ethischen Konflikten bei der Anwendung von Zwangsmaßnahmen und Zwangsunterbringung auseinander.

Die Präsentation des Referates kann auf Anfrage gern zur Verfügung gestellt werden.

(Anfragen bitte per E-Mail an: betreuungsbehoerde@lasv.brandenburg.de)

 In drei Arbeitsgruppen wurden Fallbeispiele, Erfahrungen und Situationen aus der Praxis zu den Themenkomplexen Sucht-, Demenz- und Psychische Erkrankungen bearbeitet und Möglichkeiten zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen rechtlichen Betreuerinnen und Betreuern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Kliniken und Pflegeeinrichtungen erörtert.

Die Präsentation der Ergebnisse der Arbeitsgruppen finden Sie am Ende des Artikels.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Fachgespräch zum Thema „Wahrung der Interessen behinderter Menschen im Krankenhausalltag“, welches von Donald Ilte, Abteilungsleiter der Abteilung Pflege bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung in Berlin, moderiert wurde.

 

Beteiligt an diesem Fachgespräch waren:

  • Jürgen Dusel, Beauftragten der Landesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderung,
  • Sibylle Kraus, Leiterin Sozialdienst und Case Management, Alexianer St. Hedwig Kliniken Berlin,
  • Rechtsanwältin Dr. Judith Schädler, rechtliche Betreuerin, Friedrichswalde
  • Prof. Dr. med. Alexander Dressel, Chefarzt der Neurologie am Carl-Thiem-Klinikum Cottbus,
  • Michael Friedrichs, Richter am Amtsgericht Königs Wusterhausen.

weitere Personen im Fachgespräch

Im Fokus der Diskussion standen Möglichkeiten zur Stärkung der gleichberechtigten, selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen innerhalb des klinischen Alltags. Es wurden Aspekte zur Verbesserung der Kommunikation mit den Patienten erörtert.

Insbesondere sollte eine differenziertere Betrachtung erfolgen, welche Entscheidungen Patienten, die eine rechtliche Betreuung haben, dennoch selbst treffen können. Zur besseren Vermittlung der Inhalte von Aufklärungsgesprächen können hier Hilfsmittel, wie z. B. Materialien in leichter Sprache verwendet oder im Bedarfsfall auch Kommunikationshilfen und Gebärendsprachdolmetscher eingesetzt werden.

Sofern erforderlich, ist eine assistierende Entscheidungsfindung in Betracht zu ziehen. Dies setzt allerdings voraus, dass sich die Betreuerinnen und Betreuer bereits im Vorfeld mit den Betreuten zu deren Wünschen und Wertvorstellungen sowie zu medizinischen und pflegerischen Maßnahmen verständigt haben. In die Entscheidungsfindung sollten auch die Angehörigen einbezogen werden.

Die bereits im Verlauf der Veranstaltung herausgearbeiteten Schwerpunkte zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den Beteiligten, der besseren Berücksichtigung von bestehenden vorsorgenden Verfügungen, Einbeziehung von Betreuerinnen und Betreuer in Fallkonferenzen, Abschluss von Behandlungsvereinbarungen und der notwendigen Entwicklung von Standards für das Entlassungsmanagement wurden in diesem Fachgespräch ebenfalls noch einmal bekräftigt.

Wir bedanken uns noch einmal recht herzlich bei den Moderatoren, Referenten und Teilnehmern der Fachgespräche für Ihre Mitwirkung und interessanten Beiträge!

Ergebnisse der Arbeitsgruppen